edapi.gif (1801 octets)

Virtuelle Imkerei - Galerie Virtuelle Imkerei - Galerie
Version française


Wie können die resistenten Varroamilben unter der
Schadensschwelle gehalten werden?

varroa1.jpg (6959 octets) Charrière Jean-Daniel und Imdorf Anton
FAM - Sektion Bienen
Liebefeld
Schwarzenburgstr. 161
CH-3003 Berne
SWITZERLAND

Der Bienenparasit Varroa jacobsoni ist in vielen Gebieten Europas gegen verschiedene herkömmliche Varroazide resistent geworden. Alternative Substanzen wie organische Säuren und Komponenten von ätherischen Ölen stehen als Ersatz zur Verfügung. Ihre Anwendung ist aber nur erfolgreich, wenn sie in einem Bekämpfungskonzept zum Einsatz kommen.


Bekämpfungskonzept

Das Überwachen der Varroapopulation ist eine wichtige Massnahme. Dadurch wird ein Ansteigen der Varroapopulation frühzeitig erfasst und die notwendigen Bekämpfungsmassnahmen können rechtzeitig eingeleitet werden. Nach der Honigernte wird die Milbenpopulation im August und September durch eine oder zwei Langzeitbehandlungen mit Ameisensäure oder eine Behandlung mit Thymol während ca. 6 Wochen stark reduziert. Sobald die Völker brutfrei sind, werden sie im November zusätzlich mit Oxalsäure behandelt. Bei konsequenter Durchführung dieses Konzeptes sind vor Abschluss der Honigernten im folgenden Jahr keine weiteren Behandlungen notwendig.

Schlüsselzahlen des natürlichen Milbenfalls im Rahmen der alternativen Varroabekämpfung

Zeitpunkt

Anzahl Milben
pro Tag
mehr als

Massnahmen

Ende Mai

3

Eine Langzeitbehandlung mit Ameisensäure sollte sofort nach der Frühjahrsernte durchgeführt werden.

Ende Juli

10

Zwei Langzeitbehandlungen mit Ameisensäure sind notwendig.

Anfangs
September

1

Die zweite Langzeitbehandlung mit Ameisensäure ist notwendig.
ganze
Bienensaison

30

Die Schadenschwelle wird in Kürze überschritten. Eine sofortige Behandlung ist dringend notwendig.

Informationen zu den einzelnen Massnahmen

punaise.gif (183 octets)Überwachen der Varroapopulation

Wenn die resistenten Milben zunehmen, besteht die Gefahr, dass die Schadensschwelle irgend einmal überschritten wird und es zu Völkerzusammenbrüchen kommt. Dies wiederum kann zu massiven Rückinvasionen auf Nachbarstände führen. Deshalb ist es notwendig, mit Hilfe von gittergeschützten Unterlagen den natürlichen Milbenfall zwischen Frühjahr und Ende Juli hin und wieder zu überwachen. Fallen mehr als 30 Milben pro Tag, so müssen unabhängig vom Zeitpunkt unverzüglich wirksame Bekämpfungsmassnahmen eingeleitet werden. Bei einer einwöchigen Behandlung mit Ameisensäure kann das Absterben der Völker vermieden werden.

varroas_2.jpg (12432 octets) Foto 1: Mit Hilfe von gittergeschützten Unterlagen kann ein rasches Ansteigen des Befallsgrades wegen Rückinvasionen oder ungenügendem Behandlungserfolg frühzeitig erkannt und die notwendigen Bekämpfungsmassnahmen rechtzeitig eingeleitet werden.

punaise.gif (183 octets)Reduktion der Varroapopulation im Frühjahr

Fallen Ende Mai mehr als 3 Varroa pro Tag, so kann mit einer Behandlung nicht bis im August zugewartet werden. In der nächsten Trachtlücke sollte deshalb ohne Aufsätze eine Langzeitbehandlung von einer Woche mit Ameisensäure oder zwei Stossbehandlungen durchgeführt werden. Solche Behandlungen verursachen oft grössere Rückstände an Ameisensäure im nachfolgend geernteten Honig. Deshalb sind diese Massnahmen nur in Notfällen durchzuführen.

Durch ein zwei- bis dreimaliges Ausschneiden einer Drohnenbrutwabe kann die Varroapopulation ca. um die Hälfte und durch die Bildung eines Brutablegers ca. um einen Drittel reduziert werden. Es lohnt sich daher, solche Massnahmen in die allgemeine Betriebsweise zu integrieren.


varroas_ge.gif (5544 octets)

Abbildung 1: Die alternative Varroabekämpfung ist nur erfolgreich, wenn sie als Konzept zur Anwendung kommt. Das Überwachen des Befallsgrades und die Reduktion der Varroapopulation im August und September durch Ameisensäure oder Thymol sowie im November mit Oxalsäure sind die Eckpfeiler dieses Konzeptes.


punaise.gif (183 octets)Langzeitbehandlung mit Ameisensäure

Auf dem Markt sind verschiedene Dosiergeräte zur Langzeitbehandlung erhältlich. Bei den einen wird die Ameisensäure durch ein Trägermaterial zurückbehalten. Die Verdunstung der Ameisensäure wird hier über die Fläche geregelt. Bei den anderen wird sie flüssig in einem kleinen Behälter gespeichert und über einen Docht verdunstet. Da die Varroabekämpfung später mit einer Oxalsäurebehandlung abgeschlossen wird, muss mit der Ameisensäure nicht ein möglichst hoher Behandlungserfolg angestrebt werden. Dadurch wird die Gefahr von Königinnenverlusten stark reduziert. Die Anwendung der unterschiedlichen Dispenser hat jeweils nach der Gebrauchsanleitung zu erfolgen.

varroas_1.jpg (8404 octets) Foto 2: Je nach Befall sind eine oder zwei Langzeitbehandlungen mit Ameisensäure durchzuführen. Verschiedene Ameisensäure-Dispenser sind zu diesem Zweck auf dem Markt erhältlich.

punaise.gif (183 octets)Eine oder zwei Behandlungen mit Ameisensäure?

Liegt der natürliche Milbenfall anfangs August über 10 Milben pro Tag, so sind zwei Langzeitbehandlungen notwendig. Dabei sollte die erste Behandlung sofort nach der Honigernte durchgeführt werden. Die zweite Behandlung erfolgt ab Mitte September. Fallen aber weniger als 10 Milben pro Tag, so genügt eine Behandlung, deren Durchführung auf Ende August hinausgeschoben werden kann.

Die Notwendigkeit einer zweiten Ameisensäurebehandlung kann auch anhand des natürlichen Milbenfalls während der dritten Woche nach Ende der ersten Behandlung überprüft werden. Liegt der Milbenfall über 1 Varroa pro Tag, so sollte eine zweite Behandlung durchgeführt werden.

Bei einer Behandlung kann mit einer Wirksamkeit von 60 bis 80% und bei zwei Behandlungen mit 90 bis 98% gerechnet werden. Die Ameisensäure wirkt auch in die verdeckelte Brutzellen und tötet die Acarapis-Milben in den Tracheen.

punaise.gif (183 octets)Behandlung mit Komponenten von ätherischen Ölen

Anstelle der Behandlungen mit Ameisensäure können auch Behandlungen mit Thymol durchgeführt werden. Der Markt bietet schon bald mehrere Produkte an, in denen der Wirkstoff Thymol auf unterschiedlichen Trägermaterialien aufgetragen oder eingearbeitet ist. Zur Verdunstung des Thymols werden die Produkte während mehreren Wochen auf die Brutwaben aufgelegt.

Die Anwendung erfolgt nach der Gebrauchsanleitung des Herstellers. Nach Abschluss der Honigernte sollte zuerst so viel wie möglich aufgefüttert werden. Wie bei der Ameisensäure muss auch hier bei einem natürlichen Milbenfall von über 10 Milben pro Tag mit der Behandlung möglichst früh begonnen werden. Bei den Produkten, wo die erste Tafel nach 3 Wochen durch eine zweite ersetzt wird, sollte vor dem Einlegen der zweiten Tafel zuerst fertig aufgefüttert werden.

Die Wirksamkeit dürfte unter optimalen Bedingungen bei 90 bis 97% liegen. Eine Kontrolle des Behandlungserfolges ist nicht notwendig, da anschliessend im November mit Oxalsäure behandelt wird.

varroas_3.jpg (11520 octets) Foto 3: Anstelle von Ameisensäure kann auch Thymol als Wirkstoff, hier in Form von Api Life VAR, eingesetzt werden.

punaise.gif (183 octets)Oxalsäure in brutfreien Völkern

Die Behandlung mit Oxalsäure im November hat das Ziel, die noch im Volk verbleibenden Varroapopulation auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Treten im Frühjahr keine Rückinvasionen auf, so kann bis im August des nachfolgenden Jahres auf weitere Bekämpfungsmassnahmen verzichtet werden. Dieses Ziel wird aber nur erreicht wenn die Völker bei der Behandlung brutfrei sind. Die Oxalsäure hat keine Wirkung auf die Milben in der verdeckelten Brut.

punaise.gif (183 octets)Oxalsäure sprühen

Dazu wird eine Oxalsäurelösung aus 30 g Oxalsäuredihydrat und 1 Liter Wasser verwendet. Pro Wabenseite mit Bienen werden 3 bis 4 ml Lösung mit einem Handsprühgerät versprüht. Die Methode ist sehr gut bienenverträglich und eignet sich vor allem für Bienenvölker in einzargigen Magazinbeuten.

varroas_4.jpg (11489 octets) Foto 4: Mit dem Versprühen der Oxalsäurelösung kann die Varroapopulation, sobald die Völker im Herbst brutfrei sind, auf das notwendige Minimum reduziert werden.

punaise.gif (183 octets)Oxalsäure träufeln

Bei dieser Behandlung wird eine Lösung von 45 g Oxalsäuredihydrat pro Liter Zuckerwasser 1+1 verwendet. Von dieser Lösung wird pro besetzte Wabengasse 5 ml auf die Bienen geträufelt. Je nach Volksgrösse benötigt man 30 bis 50 ml pro Volk. Diese Anwendung ist mit einem geringen Arbeitsaufwand verbunden. Die Bienenverträglichkeit ist geringer als bei der Sprühmethode. Die Formulierung, die Konzentration und Dosierung müssen noch optimiert werden. Deshalb ist die Anwendung der Sprühmethode vorläufig zu bevorzugen. Von einer Mehrfachbehandlung mit Oxalsäure träufeln ist wegen schlechter Verträglichkeit durch die Bienen und ungenügender Wirkung in Völkern mit Brut abzuraten.

varroas_5.jpg (13216 octets) Foto 5: Das Träufeln der Oxalsäure-Zuckerwasserlösung wird von den Bienen weniger gut vertragen. Diese Anwendung muss daher bezüglich Formulierung, Konzentration und Dosierung noch weiterentwickelt werden. Die Sprühbehandlung sollte daher im Moment dem Träufeln vorgezogen werden.

Beide Oxalsäure-Methoden weisen in brutfreien Völkern eine Wirksamkeit von über 95 % auf.

punaise.gif (183 octets)Schutzmassnahmen

Bei der Anwendung von organischen Säuren und ätherischen Ölen müssen immer säurefeste Handschuhe getragen werden. Beim hantieren mit Ameisen- und Oxalsäure muss zusätzlich eine Schutzbrille aufgesetzt und ein Kübel mit Wasser bereitgestellt werden. Beim Sprühen der Oxalsäurelösung ist eine Atemschutzmaske des Types FFP2SL, EN 149 zu tragen. Sämtliche Produkte, welche zur alternativen Varroabekämpfung benötigt werden, sind im Fachhandel erhältlich. Das Herstellen von Oxalsäurelösungen sollte nur von Fachpersonen vorgenommen werden.

punaise.gif (183 octets)Schlussbetrachtungen

Mit diesem alternativen Bekämpfungskonzept hat der Imker die Möglichkeit, im mitteleuropäischen Raum die Varroa mit einem relativ geringen Arbeitsaufwand unter der Schadensschwelle zu halten und weiterhin erfolgreich Bienenprodukte mit hoher Qualität zu erzeugen.

punaise.gif (183 octets)Weitere Informationen

Detailliertere Informationen über die einzelnen Massnahmen im Rahmen der alternative Varroabekämpfung werden in verschiedenen Ausgaben der Schweizerischen Bienen-Zeitung von 1998 publiziert.

Jean-Daniel Charrière
Tel: +41 31 323 82 02
Email:
Jean-Daniel.Charriere@fam.admin.ch
Imdorf Anton
Tel: +41 31 323 82 12
Email:
Anton.Imdorf@fam.admin.ch

FAM
Sektion Bienen
Liebefeld
Schwarzenburgstr. 161
CH-3003 Berne
SWITZERLAND
Fax: +41 31 323 26 02


Realisierung: Gilles RATIA
Letzte Bearbeitung: 17/03/01
APISERVICES - Copyright © 1995-2006
Seitenanfang Seitenanfang