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Der Skandal der Honigverfälschung

Ein weltweiter Betrug - Hauptangeklagter: China

Der Französische Berufsimkerbund SPMF (Syndicat des Producteurs de Miel de France) hat ein ausführliches Dossier über den Skandal der Honigverfälschungen herausgebracht. Das 44 Seiten DIN A4 umfassende Dokument beschreibt das Phänomen der Honigverfälschungen auf sehr ausführliche Weise mit allen Hintergründen. Wir veröffentlichen exclusiv in unserem iT-magazin Auszüge aus diesem brisanten Dokument, das mit Sicherheit noch einigen Staub aufwirbeln wird...

Die mikroskopischen Aufnahmen stammen freundlicherweise von Madame Marie-Claude Clément vom Labor CNEVA in Sophia Antipolis, Frankreich. Bearbeitung und Übersetzung: Karl-Rainer KOCH © copyright 1999 by iT-magazin

Geschichtliches

Fotos Fotos

Seit Anfang dieses Jahrhunderts gibt es einige veröffentlichte Fälle bei denen der Honig nicht rein und natürlicher Herkunft war.

Im Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen wurde per Gesetz offiziell und unter einer anderen Bezeichnung, wegen des Mangels ein Honigersatz industriell hergestellt. Die Sachlage war eindeutig: es handelte sich nicht um Täuschung, denn auf dem Etikett war eindeutig vermerkt: Kunsthonig.
Von den 50er Jahren an bis Mitte der 80er Jahre wurde auf der ganzen Welt Honig verkauft, der 100% rein war. Ausnahme bildeten einige zweifelhafte Sendungen Mitte der 70er Jahre aus Rußland.

Wir stellen fest: Es gibt einige wenige Ausnahmen wie z.B. die Länder Nordafrikas. Wegen Mangel und ständiger Nachfrage findet man in dieser Zone häufiger Zuckersirupe die mehr oder weniger eindeutig deklariert sind.

Die verschiedenen Verordnungen, weltweit (Codex alimentarius) und europäische (Richtlinie 74/409) oder eigene Richtlinien eines Landes sind im allgemeinen ausdrücklich und klar:

Der Honig ist ein Produkt, das von den Bienen auf den Pflanzen geerntet wird; das heißt 100% natürlich und man darf diesem Produkt weder etwas hinzufügen, noch entziehen.

Diese Vereinbarungen wurden so weltweit respektiert. Dazu gab es, wirtschaftlich gesehen, keine Mittel oder Methoden, die einen rentablen Betrug ermöglichten.

Deshalb entsprach bis etwa zur Mitte der 80er Jahre die "Qualität" des Honigs der Gesetzgebung in zufriedenstellendem Maße.

1984/85 EIN NEUES EXPORTLAND

Zu diesem Zeitpunkt trat China, das bisher nicht auf dem Markt präsent war, von einem Tag auf den anderen mit Dumpingpreisen auf und wurde zum führenden Exportland.

Gleichzeitig warf der chinesische Honig auch bei den spezialisierten westlichen Untersuchungslaboratorien zahlreiche Fragen auf. Der Honig zeigt unter vielen Aspekten spezielle Eigenschaften, die Verdacht aufkommen ließen.

1. Unter dem Mikroskop zeigte das Pollenspektrum unter anderem systematisch eine Häufung von inaktiven Hefen.

Ein "normaler" Honig hätte in diesem Zustand systematisch auch andere physische Anzeichen von fortgeschrittener Gärung gezeigt. Im Falle der chinesischen Honige sind die Hefen "tot".

2. Ebenso erscheint der Honig unter dem Mikroskop "dreckig" mit zahlreichen Spuren von Humus, wie wenn Erde in das Produkt gekommen wäre.

In diesen Ländern kennt man keine Klärung oder Filterung bei der Schleuderung, die in allen Fällen von Hand erfolgt, unter in Europa nicht denkbaren hygienischen Umständen. Meist wird  im Freien oder in Räumen mit gestampftem Erdboden geschleudert. Humuspartikel, die in den Honig gelangen sind zu fein, um von den Rohrfiltern der Abfüller ausgefiltert zu werden und gelangen so ins Glas bis zum Verbraucher.

3. Häufige Anomalien,

wie z.B.:
abnormale Diastasewerte...

4. Systematisch findet man im Honig Eisenoxyd in beträchtlichen Mengen: 40 mg/kg im Durchschnitt mit Spitzenwerten von 100 - 200 mg/kg.

5. Ein anderes Kapitel: häufiges Vorkommen von Rückständen chemischer Produkte, am häufigsten Chlordimeform, mit dem offensichtlich in großen Mengen direkt behandelt wird.

6. Schließlich, "Last but not least" kommt dieser Honig immer noch in Blechfässern an, die nicht für Lebensmittel geeignet sind und keine totale Öffnung haben, sondern lediglich 2 Spundlöcher. In den schlimmsten Fällen erhielten die Importeure Fässer, die zuvor giftige Chemikalien enthielten.

ANALYSE-TECHNIKEN ENTWICKELN SICH

Die ersten Nachweise von Verfälschungen mit fremden Zuckern wurden in den USA im Laufe der 80er-Jahre durchgeführt, dank der Methode von White und Doner, die 1978 entwickelt wurde (siehe Bibliographie).

Grundlagen der Technik dieser Analyse:

Man findet in der Natur in sehr geringer Menge Isotope, z.B. von Carbon (13C/12C), Sauerstoff (17O16/O), Wasserstoff usw...

Das Wert dieser Isotope schwankt je nach geoklimatischen Bedingen und der Photosynthese der Pflanzen. Der isotopische Wert von Carbon 13C/12C wird durch eine Analyse mit dem Massenspektrometer bestimmt und "*13C" genannt.

Mais und Zuckerrohr sind, unter anderem, Pflanzen mit einem Photosynthesezyklus "C4". Sie haben eine dem Honig ähnliche Zusammensetzung der verschiedenen Zucker, ihr Carbonwert (*13C) liegt jedoch in der Größenordnung von -11‰.

Die Bienen ernten Nektar von Pflanzen, die einen Photosynthesezyklus C3 haben. Die Werte von *13C sind bemerkenswert homogen und liegen bei -23,5‰. Durch diese unterschiedlichen Werte konnte man die Beimengung von Maissirup oder Rohrzucker feststellen. Sehr schnell zeigte sich jedoch, daß diese Methode nicht bei allen Honigen verwendet werden konnte. So haben reine sortenhonige (wie z.B. reiner Akazienhonig) einen wesentlich höheren *13C - Wert  als der geringe Wert von -23,5‰. Dagegen konnte auch ein anderer Honigtyp, dem im Labor bis zu 12% Zucker beigemischt wurde den normalen *13C - Test bestehen.

Die AOAC-Methode

Deshalb wurde 1989 weiter geforscht und eine weitere Methode entwickelt: die Methode nach Jonathan WHITE und Kenneth WINTERS.

Sie messen zusätzlich zu dem *13C der Zucker den Anteil von C13 einer Fraktion der Proteine des Honigs und schufen so einen internen Standard.

Sie fanden heraus, daß eine Differenz von -1‰ oder mehr *13C der Proteine und dem Wert *13C des Honigs eine Verfälschung nachweist.

Diese Methode ist die offizielle AOAC - Methode geworden
(Association of Official Analytical Chemists, registriert unter der N° 991-41).
Sie wird überall auf der Welt verwendet, darüber hinaus ist sie im Augenblick die sicherste und preiswerteste Methode.

Bestimmung des Anteils Zucker C4 im Honig

Mit folgender mathematischen Formel kann man den Anteil von Zucker C4 in % bestimmen:

%Zucker C4 = {[d 13CProt. - d 13CHonig] / [d 13CProt. - (-9.7)]} x 100

Berücksichtigt man die natürliche Verschiedenheit des Honigs, so zeigt das Ergebnis der oben genannten Formel eine sichere Verfälschung, wenn der Wert = 7% oder größer ist. Liegt der Wert zwischen 5 und 7%, liegt ein Verdacht der Verfälschung sehr nahe und man spricht von einer "Grauzone".

Vom Markt werden nicht die sichersten Methoden verwendet

Zahlreiche Importeure in Europa verwenden weiterhin bis heute nur die Methode C13/Honig (d.h. die Methode von WHITE und DONER 1978).
Im Labor stellte man mit Verwunderung fest, daß z.B. die chinesischen Lieferanten uniforme Honige lieferten mit einem Wert von -23,5‰ und -24‰.
Ohne hier weiter ins Detail gehen zu wollen, kann man zusammenfassend sagen, daß sich mittlerweile zwischen Laborkontrolle und Betrügern ein regelrechter Wettlauf entwickelt hat.
In dieser Situation wenden die Abfüller und Importeure in Europa jene Kontrollmethode an, die ihnen am bequemsten ist und weniger effektiv ist:
die sogenannte Hybrid-Methode, in England von EUROPA SCIENTIFIC bekanntgegeben.

Wie der Markt in Wirklichkeit funktioniert

Die Hybrid-Methode ist ein "Gemisch" zwischen der Methode WHITE UND WINTERS von 1989 und der Methode WHITE und DONER von 1978 und wird folgendermaßen beschrieben:

Das Labor unternimmt nur eine C13/Honig-Analyse (alte Methode WHITE und DONER von 1978).
Ist der erhaltene Wert negativer als -23,50‰, so wird der Honig ohne weiteres als konform betrachtet.

Wenn jedoch das Ergebnis zwischen -23,5‰ und -21,5‰ liegt, wird der Honig als zweifelhaft betrachtet und es wird zusätzlich eine neue Analyse auf C13 der Proteine durchgeführt.

Ist die Abweichung unter -1‰ (oder anders ausgedrückt, wenn das Resultat nach der mathematischen Formel unter 5% liegt) ist der Honig konform. Liegt er über -1‰ (Ergebnis nach der mathematischen Formel über 7%) ist der Honig nicht konform.

Statistik von Honig-Untersuchungen durch das Labor EUROFINS nach der Methode AOAC

Das französische Lebensmittel-Untersuchungslabor EUROFINS hat uns eine Statistik ihrer eigenen Analysen über mehrere Jahre freundlicherweise überlassen.

Das Resultat: von den 435 untersuchten Honigen mit einem *13C von -23,5‰ und negativer sind nach dem Test *13C der Proteine 76 Honige nicht mehr konform!

Honigproben, deren Wert *13C (Honig) < -23,5‰

Anzahl der Proben insgesamt<C5,5,0 ,0,0,0> 435
Honigproben nicht konform 76
Prozentanteil 17 %

Wenn man also diese Hybrid-Methode anwendet, fallen diese 17% Honige nicht auf und werden als konform eingestuft!

Honigproben deren Wert *13C (Honig) zwischen -23,5 und -21,5 liegt

Anzahl der Proben insgesamt 151
Honigproben nicht konform 95
Prozentanteil 63 %

Auf 151 Honige mit einem Wert zwischen -23,5 und -21,5 sind 95, das sind 63% nach dem Test der Proteine (interner Standard) nicht konform.

Nur diese Honige wären auch nach der Hybrid-Methode als nicht konform klassifiziert worden.

Diese Hybrid-Methode wird preiswert angeboten. Das englische Labor Europa Scientific bietet diese Analyse zu einem Preis zwischen 30 und 55£ (in Deutschland kostet augenblicklich eine Analyse nach Hybrid-Methode ca. DM 125,00, nach AOAC-Methode ca. DM 200,00 ).

Die Preise für Honig-Analysen sind in den letzten Jahren durch Konkurrenzdruck preisgünstiger geworden. Die Verwendung einer weniger effizienten Methode dient also nur einer Sache:
Sie ermöglicht den Importeuren, leichter die gewünschten Mengen zu einem sehr niedrigen Preis zu finden.

Der juristische Aspekt

Die Arbeit der Importeure und Abfüller ist nicht leicht.

Juristische Grundlage in der EU ist die Europäische Honigverordnung 74/409/CEE von 22. Juli 1974.

Die heutigen Methoden der Entdeckung von Verfälschungen waren damals (1974) noch nicht bekannt und die Geräte existierten damals noch nicht. So kennen wir auf Grund dieser Gegebenheiten 2 völlig gegensätzliche juristische Standpunkte.

Der Erste

Vor Gericht können nur die Gesetze und erlaubten Methoden (für den Honig also die Richtlinie 74/409 mit Anhang) angewendet werden.
So gesehen können alle Beteiligten ohne jegliche Schuld betrügen. Sie werden immer einen juristische Schlupfloch (national oder international) finden, das ihnen Recht gibt.
Der Betrug wird legalisiert, denn die Industrie und Wirtschaft entwickeln sich schneller als die Gesetzgebung.

Der Zweite

Der zweite Standpunkt ist völlig gegensätzlich und fordert, daß, wenn auch nicht offiziell, immer die modernste und wirksamste wissenschaftliche Methode letztendlich  juristisch von Bedeutung ist.

Zahlen und Fakten zur Imkerei & Honig in Europa und weltweit

Frankreich

Zwischen 80.000 und 100.000 Imker halten insgesamt etwa 1.500.00 Bienenvölker.
Davon sind annähernd 1.500 bis 2.000 Berufsimker und 5.000 - 6.000 Nebenerwerbsimker.
Sie bewirtschaften ungefähr 900.000 -1.000.000 Bienenvölker. Der Rest besteht aus Amateuren.

Nur der von den Berufsimkern und Nebenerwerbsimkern produzierte Honig kommt in den Handel. Die Produktion der Amateure wird meist selbst verbraucht oder verschenkt. Manchmal wird sie auch an Nachbarn und Arbeitskollegen verkauft.

Man nimmt an, daß im Allgemeinen zwischen 40% und 50% des gesamten Verbrauchs von den Erzeugern abgefüllt wird. Der Rest geht in 300 kg -Fässern an spezialisierte Großhändler und Abfüller., die den Handel beliefern.

7 große Abfüller sind auf Honig spezialisiert.
Das führende Unternehmen vermarktet mehr als 8.000 to/Jahr. Im Vergleich dazu vermarktet der größte deutsche Abfüller ca. 20.000 to/Jahr.

Der Honigverbrauch in Frankreich (Speisehonig und Backhonig) liegt bei ca. 500 - 700 g pro Kopf und Jahr.

Der Gesamtverbrauch setzt sich zusammen aus:

EUROPA

Frankreich ist Selbstversorger mit 80%. Die Europäische Union ist Selbstversorger mit 50%

Überwiegend die "Südländer": Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal sind HonigProduzenten.

In den "Nordländern" Großbritannien, Benelux, Deutschland, Dänemark gibt es mit einigen wenigen Ausnahmen fast nur Amateure. In diesen Ländern findet man in den Regalen der Supermärkte mit Ausnahme von einigen Spezialitäten der "Südländer" fast nur Importhonig aus Drittländern.

Der Verbrauch pro Kopf und Jahr ist sehr unterschiedlich:
mehr als 1 kg in Griechenland, Schweiz und Deutschland und Österreich, weniger als 500 g in Spanien, zwischen 500 g und 1 kg beim Rest der EU.

Die WELT

Die Weltproduktion wird von der FAO auf etwa 1.200.000 to geschätzt. Davon werden ca. 300.000 to international gehandelt (in 300 kg-Fässern).

Es gibt 3 große Exportländer:
China, Argentinien und Mexiko, und 3 große Import-Zonen: Japan, USA und die Europäische Union.

Eine beträchtliche Anzahl anderer Länder exportieren wesentlich bescheidener: Canada, Australien, Neuseeland, Cuba, Türkei, Ungarn, Rumänien, Polen etc...

Saudi-Arabien, Marokko und der Mittlere Orient importieren geringe Mengen, jedoch nur im Glas abgefüllte Ware.

Die Weltproduktion zeigt eine Tendenz zur Stagnation, bzw. Verringerung, als Folge des Preisverfalls Ende der 80er-Jahre, während die Nachfrage gleichbleibend geblieben ist.

Die Technik der Honigverfälschung in China

In China wird man nicht in die "Honigfabriken" gelassen. Sie sind "top Secret". Die Gebäude sind riesengroß, mit mehreren Tausend m² Fläche und gut geschützt: Zäune, Wächter und Lautsprecher.

Die "Technik(en) der Herstellung" im Detail sind nicht genau bekannt. Folgende Hypothese im am wahrscheinlichsten:

1) Der Honig wird in unverdeckeltem Zustand den Völkern entnommen, mit einem Wassergehalt von 25% bis 30%, d.h. bevor seiner Reifung. Die Europäische Verordnung erlaubt einen maximalen Wassergehalt von 21%. Ein Qualitätshonig hat weniger als 18% Wassergehalt.

2) Der geschleuderte Honig wird in unmöglichen Behälter (verrostet) gelagert bis er eingesammelt wird.

3) Ein Sammelaufkäufer bringt ihn zur Fabrik, meist befindet er sich schon in fortgeschrittener Gärung. Diese Tatsache ist sicher. Unter dem Mikroskop erkennt man den chinesischen Honig unter Tausenden, nämlich an seinem "Hefeteppich" (siehe auch unsere Fotos).

4) In der Fabrik wird diese Gärung gestoppt und man vermischt den Honig mit geeigneten Zuckersirupen. Der Honig wird industriell heruntergetrocknet. Das Endprodukt hat wenn möglich einen Wassergehalt von weniger als 19%. Anscheinend stammen laut Experten die erheblichen Rückstände von Eisenoxyd aus dieser Etappe.

5) Der "Honig" wird dann in den bekannten Spundfässern, die nicht lebensmittelecht sind, zum Export abgefüllt. Die europäischen Untersuchungslabors sind regelmäßig überrascht von der gleichbleibenden Qualität und Homogenität des chinesischen "Honigs", was die speziell zu überwachenden Parameter betrifft.

Die angeführten Punkte 2, 3 und 5 sind absolut bewiesen. Die Punkte 1 und 4 sind Offensichtlichkeiten, bei denen einige technische Details noch zu präzisieren wären.

Wie kam es dazu?

Mit dem Erscheinen von industriellen Maissirupen mit einem hohen Fructosegehalt (Mitte der 70-er Jahre) auf dem Markt, war die Möglichkeit der Honigverfälschung gegeben. Solche Verfälschungen konnten mit den damaligen Techniken nicht festgestellt werden.

WHITE und DONER haben dann 1978 eine Methode entwickelt, die solche Verfälschungen entdeckte.

Als China, bis dahin nicht auf dem Weltmarkt präsent, hinzukam, entstand der Verdacht auf Verfälschung wegen der speziellen Eigenschaften dieses "Honigs" sofort.

In den USA hat dies zur Entwicklung der Methode AOAC 1989 geführt. Bei dieser Methode wurde außer dem C13-Wert des Honigs auch der C13-Wert der Proteine gemessen.

Die USA haben daraufhin 1994 den chinesischen Honig interventionistisch mit einem Importzoll von 140% besteuert.
Letztes Jahr haben sie den Import von China-Honig für einige Zeit sogar total blockiert.

Die chinesische Honigpolitik ist nicht zufällig. Alle die sich mit dieser Frage beschäftigen, bestätigen, daß es sich hier um einen geplanten, wissenschaftlich organisierten Betrug handelt.
Man will den Weltmarkt beherrschen, will jedoch nicht die Importländer angreifen, sondern direkt die produzierende Konkurrenz, d.h. die anderen Honigexportländer.
Bei einer solchen Situation haben jedoch die anderen Konkurrenten nur eine Alternative:
Entweder die gleichen Praktiken zu verwenden oder zu verschwinden.

Genau das ist geschehen!

Zahlreiche traditionelle Exportländer, entmutigt durch die niedrigen Preise, geben bei den ersten Schwierigkeiten (Krankheiten, schlechtes Wetter...) auf.

Andererseits sind die Kooperativen und industriellen Exporteure in Versuchung geraten, die gleichen Praktiken wie die Chinesen zu ergreifen, bevor sie zu verschwinden drohen.

So wurden Proben aus fast allen Ländern gefunden: Argentinien, Mexico, Guatemala, Türkei und vor allen Dingen Ungarn, das mit seinem Akazienhonig am meisten versucht, den Chinesen nachzueifern.

HONIG und sein gerechter Preis

Im Großhandel ist der Preis in der Regel in Dollar oder in der jeweiligen Landeswährung (ohne Mehrwertsteuer und Verzollung), pro Kilogramm oder pro Tonne festgelegt, in 300-kg-Fässern, einschließlich Verpackung und Transport (Frei Hafen).
Im Einzelhandel, beim Preis für den Verbraucher, spricht man von DM je 500 g oder 1 kg, einschließlich Mehrwertsteuer.

Im Gegensatz zu den meisten großen internationalen Märkten ist der Honigmarkt völlig unorganisiert. Der Begriff "anarchisch" wäre viel besser zutreffend. Die normalen Fluktuationen bei Ungleichgewichten, die durch Angebot und Nachfrage enstehen, werden durch keinen Regulationsmechanismus ausgeglichen. Glücklicherweise läßt sich Honig ohne weiteres und ohne große Kosten lagern. Nur die Produzenten selbst oder ihre Kooperativen sorgen für ein Minimum an Regulierung.

Nach dem 2. Weltkrieg hat sich der Honigpreis während einer langen Periode nur wenig entwickelt. Zu Beginn der 70er Jahre begann die Bewegung "Zurück zur Natur" und  zu "natürlichen Produkten". In direkter Konsequenz daraus entstand ein Angebotsdefizit und in weniger als einem Jahr haben sich die Weltmarktpreise für Honig verdreifacht.

Die goldenen 70er-Jahre

In den Jahren nach 1974 sind z.B. in Frankreich viele junge Leute zur Imkerei gekommen und haben einen selbstständigen Betrieb neu eingerichtet. Zu dieser Zeit mußte man in Frankreich bis zu 2 Jahre warten, um einen Ausbildungsplatz für Imkerei zu bekommen, so sehr war der Beruf begehrt.

Die 80er-Jahre

Zu Beginn der 80er Jahre bewegten sich die Preise für Honig auf dem Weltmarkt um 1.000 US $ für 1 tonne, das entsprach in der damaligen Zeit in etwa dem Gegenwert von DM 3,50.

Zu diesem Zeitpunkt haben die Chinesen den Weltmarkt mit Honig überschwemmt und gleichzeitig begann der Kurs des Dollars drastisch zu sinken.

Die 90er-Jahre - der Preisverfall

Als der Dollar seinen niedrigsten Kurs erreicht hatte (1993 - 1994) fiel der Preis des billigsten chinesischen Honigs auf weniger als 700 US $ je tonne, das entsprach einem Gegenwert von weniger als DM 1,50 pro Kilogramm, Transport, Verzollung und alle Kosten inbegriffen. Zu diesem Zeitpunkt wurde für den gängigen Honig aus Europa gerade noch DM 1,80 bezahlt.

Vergleicht man diesem Preis mit dem von 1986 (ca. DM 3,40), so kommt man auf einen Preisverfall von 50%. Selbst Sortenhonige und relativ seltene Honige folgten diesem Beispiel.

Seit 4 Jahren schwankt der Weltmarktpreis mehr oder weniger. Dieser Preis beeinflußt auch direkt den Preis für den europäischen Honig. Für Qualitätshonig aus Argentinien wurde letztes Jahr höchstens 2.200 US $ je tonne bezahlt. Heute liegt er bei mindestens 1.200 US $ je tonne. Der chinesische "Honig" stieg bis auf 1.700 US $ und befindet sich im Augenblick zwischen 900 und 1.000 US $.

Diese Turbulenzen, die keine natürlichen Ursachen haben, sind für alle Beteiligten sehr schwer zu meistern, ganz speziell betroffen sind die Abfüllbetriebe. Die Imker selbst kennen das schon lange!

Wir sind heute in eine Situation geraten, in der keiner mehr einen Anhaltspunkt hat.

In mehreren Ländern auf der ganzen Welt inbegriffen in jenen, in denen die Arbeitskraft noch billig ist, wie z. B. in Mexico, stagniert die Imkerei und die Honigproduktion oder sie geht zurück. Zu dieser Tatsache sind zwei falsche Meinungen verbreitet:

Tatsächlich zeigt sich, daß man zu einen Preis zwischen 1.000 und 2.000 US $ mehr und mehr Schwierigkeiten haben wird, auf dem Weltmarkt echten Honig zu finden.

Die Lösung ist sehr einfach: der Markt muß nur einen Preis von 2.000 - 3.000 US $ je tonne durchsetzen und sofort gäbe es genügend Produzenten, die einen in jeder Hinsicht guten Qualitätshonig liefern würden.

Zur Zeit befinden wir uns in einem Teufelskreis:

Wie hoch darf der günstigste Preis für den Verbraucher liegen?

Rechnet man alle Kosten ein: Transport, Abfüllung, Marketing, Handelsspanne und verschiedene Steuern, so würde ein loyaler und realistischer Preis entstehen:

zwischen DM 6,50 und 10,00 pro kg für den preiswertesten Honig,

und DM 11,00 bis 45,00 DM für die seltenen Honige.

Dies ist beileibe keine Träumerei: Bei einem Verbraucherpreis zwischen DM 3,00 und 5,00 für 1 kg oder auch DM 2,20 und 3,50 für das Glas mit 500g, wie man ihn zu oft in den letzten Jahren in den Regalen der Supermarktketten angetroffen hat und immer noch antrifft, "da ist etwas faul"!

EUROPA

In Europa ist es illusorisch zu glauben, daß junge Imker das Risiko aufnehmen, einen Betrieb aufzubauen, wenn der Großhandel nicht mindestens bezahlt:

DM 3,80 - 5,50 je kg für die geläufigsten Honige (Raps, Sonnenblume, Blütenhonig)

und DM 6,00 - 18,00 für die selteneren Sorten (Wald, Gebirgshonig, Akazie, Edelkastanie, Linde, Tanne, Alpenrose, Lavendel, Heide, Löwenzahn, Faulbaum, Provencehonig...)

Aber, wenn der Verbraucher bereit ist, für die Qualität einen entsprechenden Preis zu bezahlen, will er sich nicht täuschen lassen. Der Markt muß moralisiert und saniert werden, damit wirklich alle, Produzent, Abfüller und Verbraucher zum Zuge kommen.

Um das zu erreichen, ist nur ein Minimum an politischem Willen notwenig, damit man unter der Bezeichnung "HONIG" in den Gläsern auch wirklich nur Honig findet und sonst nichts....

© 1998 by iT-magazin


FAKTEN: Der Honig-Skandal in Zahlen...

Ergebnisse der Honiguntersuchungen des SPMF (Syndicat des Producteurs de Miel de France)

Auf eigene Kosten hat der SPMF im Laufe des Sommers 1997 zwei Untersuchungen durchgeführt. Die erste Untersuchung wurde mit zufällig gekauften Honigen aus Supermärkten gestartet und von 2 verschiedenen Laboratorien durchgeführt. Das Ergebnis: ein Labor (EUROFINS) befand 29% der untersuchten Honige für nicht konform, das andere Labor (CNEVA) sogar 35% für nicht konform. Eine zweite Untersuchung wurde unter notarieller Aufsicht durchgeführt. Sie ist beweiskräftig und juristisch hieb- und stichfest. Hier das Ergebnis der Untersuchung der zweiten notariell beglaubigten Untersuchung beider Laboratorien:

Ergebnis Labor EUROFINS Ergebnis Labor CNEVA
Nummer Code *13C Honig
ppm
*13C Proteine
ppm
Prozent Zucker
C4
Beurteilung Pollenanalyse Beurteilung
1 420 -23,7 -24,9 7,9 Nicht konform Blüte China Verdacht auf Verfälschung
2 421 -24,3 -24,2 -0,7 Konform Akazie donau Konform
3 422 -23,2 -24,3 7,5 Nicht konform Akazie China Verdacht auf Verfälschung
4 423 -24,6 -24,8 1,3 Konform Akazie Donau Konform
5 424 -25,2 -25,3 0,6 Konform Blüte Spanien Konform
6 425 -23,2 -23,8 4,3 Konform Akazie Donau Konform
7 426 -25,8 -25,6 -1,3 Konform Mischung Blüte Konform
8 427 -24,0 -24,3 2,1 Konform Mischung China Konform
9 428 -25,6 -25,3 -1,9 Konform Blüte Spanien Konform
10 429 -23,7 -24,5 5,4 Grauzone! Konform Akazie China Konform
11 430 -25,1 -25,3 1,3 Konform Akazie China
+ Donau
Verdacht auf Verfälschung
12 431 -24,7 -26,1 8,5 Nicht Konform Blüte Asien Nicht konform nach 3 Kriterien:
- HMF 49,8 mg
- Diastase: 7,80
- Verdacht auf Verfälschung
13 432 -24,1 -24,4 2 Konform Blüte Asien Konform aber mäßige Qualität
14 433 -24,5 -25,0 3,3 Konform Akazie China Konform
15 434 -24,0 -25,9 11,7 Nicht Konform Blüte China Verdacht auf Verfälschung
16 435 -24,0 -25,6 10,1 Nicht Konform Blüte China Verdacht auf Verfälschung
17 436 -24,2 -22,2 nicht festellbar Konform Akazie Donau Konform

Kommentar:
EUROFINS findet 5 verfälschte Honige (29% und 1 Grauzone (5%), CNEVA findet 6 "vermutete Fälschungen" (35%)
Das Labor CNEVA hat die "Methode von Kerkvliet" angewendet (Mikroskopische Untersuchungen  - Kerkviet et Al. Apidologie 1997)
Die Probe N° 12 ist ein Beispiel der Qualität der Billigsthonige: 3 verschiedene Non-Konformitäten in einem Glas!


Realisierung: Gilles RATIA
Letzte Bearbeitung: 17/03/01
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