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Apiacta XXXIV, 117 – 121 (1999)
BETRACHTUNGEN ÜBER ZEITGENÖSSISCHE PROBLEME UND DEN WIRTSCHAFTLICHEN FOLGEN DER VERÄNDERUNGEN IN UMWELT UND BIENENZUCHT
R. CARRILLO SALOMÓN
D. ZAYAS HERNÁNDEZ
CUBA
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In Anbetracht der eindeutigen Veränderungen in unserer Welt, die sich vor allem in der Umwelt und dadurch in den verschiedenen Spezies und vor allem deren Gesundheit äußern, und dem krassen Unterschied zwischen den sozial-wirtschaftlichen Bedingungen und den Lebensbedingungen der Einwohner in den verschiedenen Ländern der Welt, der Entwicklung und der Verhältnisse ihrer Wirtschaften, möchte die vorliegende Arbeit einige Fragmente aus den neuesten Arbeiten verschiedener Autoren bringen, da diese mit der Realität verbunden sind, mit der die Menschheit zu Beginn des XXI. Jahrhunderts konfrontiert wird. Wir bringen einige der wirtschaftlichen Schäden, die die Umwelt erfuhr, und anhand hypotethischer Daten veranschaulichen wir ihre Auswirkung auf die Bienenzucht.
Realitäten
unserer Zeit
Wir bringen folgende Schlußfolgerungen von der Konferenz der Nobelpreise, die zwischen dem 18. und 21. Januar 1988 in Paris stattgefunden hat:
Alle Lebensformen müssen als wesentliche Formen der Menschheit betrachtet werden. Infolgedessen ist die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts ein Verbrechen an der Zukunft.
Der Reichtum der Menschheit besteht auch in ihrer Diversität, sodaß all ihre Fazetten geschützt werden müssen, wie Kultur, Biologie, Philosophie, Geist. Stets muß Tolleranz geübt werden: man muß anderen zuhören können und die "endgültigen Wahrheiten" müssen zurückgewiesen werden.
In einem von der FAO 1990 veröffentlichten Studium über den Zustand der Fischressourcen werden die meisten Fische, die aus jedwelchem Ozean dieser Welt zu kommerziellen Zwecken gefischt werden, drei Kategorien zugeordnet: "vermindert", "vollständig ausgenützt" und "übertrieben ausgenützt" (2).
Einiges über die Ressourcen, über die unser Planet verfügt (3):
80% der Waldgebiete ist Staatseigentum;
obwohl die Tropenwälder nur 7% der Erdoberfläche ausmachen, beherbergen sie mehr als die Hälfte der bekannten Pflanzen- und Tierspezies, von denen 80% den Insekten und 90% den Primaten angehören;
es wird angenommen, daß jährlich zwischen 11 und 15 Millionen Hektar Tropenwälder verlorengehen, d.h. eine Oberfläche die größer als Australien ist;
obwohl bis heutzutage nur 1% der Pflanzen auf ihre Heileigenschaften untersucht worden sind, enthalten 25% der in den Vereinigten Staaten benützten Arzneimittel aus Pflanzen extrahierte Substanzen. Es wird angenommen, daß ungefähr 1400 Waldpflanzenspezies eine krebsbekämpfende Wirkung ausüben können;
der Großteil der Wälder ist wegen der Luftverseuchung und dem Sauerregen chemisch bedroht;
eine der Hauptbedrohungen für unsere Umwelt ist das
Erwärmen der Atmosphäre. Die Entforstung ist doppelt schädlich, denn
nicht nur daß durch den Verlust der Bäume die natürlichen
Kohlenstoff"empfänger" ver-
schwinden, sondern auch die Konzentration des Kohlenstoffs steigt an.
Auch wenn durch ein Wunder die Abforstungen jetzt eingestellt werden würden, müßten Millionen von Bäumen angepflanzt werden, um die zukünftigen Bedürfnisse an Brennholz tilgen, den Boden und die Wasserressourcen stabilisieren und dem steigenden Bedürfnis an Papier, Holz und anderen industriellen Waldprodukten nachkommen zu können. Doch könnten diese Millionen von Neuaufforstungen die zig Millionen Tonnen Kohlendioxid nicht absorbieren, da diese unsere Umwelt täglich in steigenden Mengen verseuchen.
1983 betrug das Nationale Bruttoeinkommen (NBE) der reichen Länder 10,5 Milliarden Dollar (monatlich 800 Dollar/Einwohner), wobei es in den armen Ländern 2,6 Milliarden Dollar (monatlich 60 Dollar pro Einwohner) ausmachte (4).
Der Prototyp eines Bombers mit seiner Gesamtausrüstung entspricht dem Jahreslohn von 250.000 Lehrern, den Ausgaben 30 wissenschatlicher Hochschulen mit je 1000 Studenten oder denen von 75 Krankenhäusern mit 100 vollständig ausgerüsteten Betten (5).
Der Sterbeindizes der ärmsten Nationen ist achtmal größer als der der Industrieländer und die Lebenserwartung dreimal kleiner (6).
Eine Milliarde Menschen, d.h. ein Viertel der Bevölkerung unseres Planeten, ist praktisch obdachlos oder lebt in elendigen Häusern unter ungesunden Bedingungen (7).
Eine Milliarde Menschen leidet an parasitären Krankheiten (8).
Täglich sterben in der Welt 40.000 Kinder aus in den meisten Fällen vermeidbaren Gründen.
In den Vereinigten Staaten wurde über ein Drittel der Krebserkrankungen durch die Ernährungsweise verursacht, 2% durch die Umweltverseuchung und 1% durch Lebensmittel- und Industrie-produktzusätze (10).
Die sogenannte "Industriezivilisation", die für das Leben der Menschen zahlreiche wohltuende Sachen geschaffen hat, kann, wenn ökonomische Kriterien vorrangig sind, diese Entität, über die wir uns vor einigen Jahrzehnten noch nicht in großem Maße bewußt waren und die sich Umwelt nennt, negativ beeinflussen (11).
Zwei sind die bedeutendsten Ursachen, die die verschiedenen Spezies bedrohen, u. zwar exzessive Auswertung und Zerstörunmg des Habitats. Diese führten im Falle einiger Spezies zu deren Verschwinden und im Falle anderer zu ihrem zahlenmäßigen Rückgang (12).
Wirtschaftliche
Analyse der Auswirkungen einer ökologischen Degradierung
Das Verhältnis zwischen wirtschaft-licher Entwicklung und Gesundheit ist ein komplexes, schwer verständliches Problem. Es wird vermutet, daß eine ansteigende ökonomische Entwicklung von einem ansteigenden Niveau der Bevölkerungsgesundheit gefolgt wird. Das würde bedeuten, daß in den Industrieländern die Gesundheitsbedingungen im allgemeinen besser sind als in den Entwicklungsländern (13).
Die Restrukturierungspolitik der Weltbanken und des FIM (14), die auf der Ideologie der freien Marktwirtschaft beruht, verursacht eine zusätzliche Verschlechterung der ökonomischen und sozialen Lage in den Debitorländern. Deshalb ordnen die Regierungen die Ressourcen des Militärs dem Sozialen zu, um die Lage zu verbessern, doch sind die Voraussagen mit längerem Termin ziemlich unsicher.
Die technisch-wissenschaftliche Re-volution und die Aufnahme neuer Technologien in alle Gebiete des sozialen und wirtschaftlichen Lebens stellen in jedem Land Faktoren dar, die zur Verbesserung des Gesundheitszustands der Bevölkerung, der Lebensqualität und der Lebenserwartung der Bürger beitragen können. Andererseits würde ihre nicht diskriminatorische und unvernünftige Verwendung zur Zerstörung unseres Planeten führen.
Die Beeinträchtigung der Umwelt würde nicht nur den "Gesundheitszustand" verändern, sondern wenigstens vier unbezahlbare Bestandteile kosten: "biologischer Preis" – Verschwinden oder zahlenmäßiger Rückgang verschiedener Spezies, "ökologischer Preis" – Gleichgewichtsstörungen innerhalb verschiedener Ökosysteme, "technisch-wissenschaftlicher Preis" –Verschwinden der Natur, dieser unerschöpflichen Weisheits- und Schönheitsquelle, "ökonomischer Preis" – ungeahnte Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung der Völker und deren Wohlstand. Das Verschwinden unserer natürlichen Umwelt wird auch zum Verschwinden des Menschen führen.
Mit dem Verschwinden oder der zahlenmäßigen Herabsetzung der reifen Exemplare einer bestimmten Pflanzenspezies bezahlen wir den "bio-logischen Preis". Auch wenn wir ein abgefälltes Exemplar mit 10 Exemplaren der gleichen Spezies ersetzen würden, werden diese nie sofort die biologischen Funktionen des abgefällten Baumes erfüllen können: es wird keine Früchte, keinen Schatten und vor allem keinen Sauerstoff geben, den diese Pflanzen in die Luft abgaben.
Die verschwundenen Pflanzen beeinflussen ihrerseits das ökologische Gleichgewicht, d.h. "ökologischer Preis" – Verschlechterung des Mikroklimats, das in ihrem Schatten bestanden hatte. Einige von ihnen abhängige Insekten und Mikroorganismen werden "migrie-ren" oder verschwinden. Ähnliches wird auch mit den Tieren geschehen, die in den Zweigen der Bäume lebten oder sich mit deren Früchten oder Blättern fütterten. Nicht zu schweigen vom Risiko der Bodenerrosion als eine weitere Folge.
Das durch die menschliche Tätigkeit hervorgerufene
Verschwinden dieser Pflanzen verursachte einen Komplex von ökologischen
Veränderungen, die das Leben anderer Pflanzen und Tiere und auf längere Dauer
vielleicht auch das der Spezies Mensch bedrohen; deshalb spricht man von einem
"wissenschaftlichen Preis", wenn wegen Unkenntnis oder Nichtbeachtung
der "Gesetze, die die Existenz regieren", eines der Glieder der
Ökosystemkette mit den mitgegebenen
Informationen verschwinden würde. Das Verschwinden der Kenntnisse, die wir
gleichzeitig mit dem Eingehen der Spezies begraben, wird durch die Wissenschaft
auch die Kultur beeinflussen und unwiderruflich auf Kosten der Gesellschaft und
der künftigen Generationen fallen.
All diese Bewegungen werden von einem "ökonomischen Preis" gefolgt, der in der gegebenen Reihenfolge sich durch folgende Faktoren äußert: Verschwinden der Spezies; Verschlechterung des ökologischen Gleich-gewichts; Verschlechterung des Bodens und Zerstörung des Gleichgewichts durch wahllose Ausnutzung der Ressourcen, und nicht zuletzt Verschwinden des geistigen Reichtums nach dem Tode der Umwelt.
Wir bestimmten die vier Bestandteile des Preises, der mit dem "Gesundheitszustand" der Umwelt verbunden ist. Nun wollen wir sehen.
Wie diese
Preise quantifiziert werden können?
Die Bestimmung der Preise und die ökonomische Analyse erfolgen in jedwelchem Zweig der Wirtschaft, Technik oder Gesellschaft, in welchen Menschen, Ressourcen und Zeit eingreifen, vor allem wenn die Anwendung eines oder mehrerer Entschlüsse beabsichtigt wird.
Die Analyse der Entscheidungen (15, 16, 17, 18 und 19) erfolgte aus ökonomischer, psychologischer und statistischer Sicht. In den letzten Jahrzehnten erfolgten verschiedene Anwendungen. Der Analyseprozeß der Entschlüsse erfaßt das Aufstellen und die Entwicklung eines Modells, das die Ungewißheiten der Empfehlungen für die Gestaltung dieses Modells beachtet. Die Ungewißheiten werden von Wahrscheinlichkeiten dargestellt, während die Werte eine Folge der günstigen und ungünstigen Ergebnisse des getroffenen Entschlusses sind.
Die Entwicklung der informativen Technik einerseits und der Statistik andererseits, die Gründung und Einführung der ökonomisch-mathe-matischen Modelle in die Gestion ermöglichten das Aufstellen einiger theoretischer Instrumente, mit denen die Simulierung eines jedwelchen Vorganges möglich ist, der einerseits die Variabeln eines gegebenen Ereignisses und andererseits eine Wahrscheinlichkeit erfaßt, die mit dem Eintretem dieses Ereignisses verbunden sind. Auf diese Weise werden den Variabeln und den erwarteten Ergebnisse Werte angemessen, die von der Wahrscheinlichkeit eines jedwelchen Ereignisses abhängen.
Wir möchten das hier Dargebrachte mit einem hypothetischem Beispiel aus der Bienenzucht illustrieren.
In den vorgehenden Abschnitten behaupteten wir, daß:
80% der Insekten in den Tropenwäldern lebt;
jährlich zwischen 11 und 15 Millionen Hektar Tropenwald verlorengehen (ein Durchschnitt von 12 Millionen);
bis jetzt nur 1% der Pflanzenspezies studiert worden sind;
Wenn wir annehmen, daß
von den 80% Insekten ungefähr 800 - 900 Spezies Bienen sind;
im Rahmen der 12 Millionen Hektar verschwindende Waldfläche eine Million von den Bienen besucht wird;
die Existenz von ungefähr 1% der existierenden Bienenspezies von diesen bedrohten Wäldern abhängt;
zu Heilzwecken 1% der bienenbesuchten Pflanzenspezies (25.000 an der Zahl) studiert worden sind;
das Trachtpotential der bie-nenbesuchten Pflanzen durchschnittlich 0,02 Tonnen pro Hektar ergibt;
dann gelangen wir anhand der zugelassenen Daten zu folgenden
Ergebnisse
Der "biologische Preis" der Bienen kann 60 Bienenspezies/Jahr ausmachen. Mit anderen Worten heißt das, daß in jedem Jahr 60 Bienenspezies verschwinden oder vom Verschwinden bedroht sein können.
Der "ökonomische Preis" kann in Tonnen Honig ungefähr 12.000 Tonnen betragen.
Der "ökologische Preis" kann 2400 – 3600 Tonnen Produkte ausmachen.
Der "wissenschaftliche Preis" kann auf 6,02 neue wissenschaftliche Kenntnisse eingeschätzt werden, die alle verlorengehen [(2, 3, 5) und sogar noch mehr neue Technologien].
Schlußfolgerungen
Diese Arbeit ermöglicht eine noch größere Rigorosität
und Gründlichkeit, wenn auch andere Variabeln mitge-
rechnet werden, wie Verschlechterung des Bodens, schlechtes Behandeln und viele
andere Faktoren, die diese Mengenanalyse bereichern könnten, ohne aber dabei
die qualitative Analyse außer Acht zu lassen, da sie zweifellos die Anschauung
über dieses Problem vervollständigen und ihre Untersuchung bereichern würde.
LITERATUR
| Realisierung: Gilles RATIA Letzte Bearbeitung: 24/06/01 APISERVICES - Copyright © 1995-2001 |
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